Garantiert Social Freezing (Eizellen einfrieren) mir später ein Kind?

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eizellen einfrieren keine garantie für kinderwunsch

Wer bin ich? Hallo, mein Name ist Yvonne. Ich bin Gründerin dieser Plattform, Expertin für Eizellen und Forscherin in Cambridge.

Wenn du dir unschlüssig bist, ob du deine Eizellen einfrieren solltest. Und versuchst, mehr darüber herauszufinden. Dann bist du hier an der richtigen Stelle.

Das hier ist ein kleines Gedankenspiel, das ich gern in meiner Social-Freezing-Beratung mit Frauen mache, die mehr übers Eizellen einfrieren erfahren wollen. Die wissen wollen, inwiefern Social Freezing ihnen dabei helfen kann, den Kinderwunsch auf später zu verschieben.

Frauen, die von mir wissen wollen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass beim Social Freezing später wirklich mal ein Kind zustande kommt. Ob es sich lohnt. Denn der finanzielle Einsatz kann groß sein. Dazu mehr weiter unten.

Lass mich dir vorab sagen: Es gibt viele Punkte, an denen etwas schief gehen kann.

Und deswegen lohnt es sich einfach, sich mental auf das WORST CASE Szenario vorzubereiten. Es sich einmal im Kopf durchzuspielen. Um danach KLARHEIT darüber zu haben, dass Social Freezing EIN Weg ist, sich abzusichern. Aber keine Garantie.

Los geht’s.

Gedankenexperiment: Stell dir vor, du frierst deine Eizellen ein

Stell dir vor, du entscheidest dich für das Social Freezing.

Du kaufst für die erste Runde Social Freezing für rund 800-1500 Euro Medikamente (Hormone, Spritzen, Desinfektionstücher etc). Je jünger du bist, desto weniger Geld musst du normalerweise für die Hormone beim Social Freezing bezahlen. Denn du brauchst weniger Hormone, um deinen Körper dazu „anzuspornen“, viele Eibläschen wachsen zu lassen. Wenn du älter bist, brauchst du etwas mehr Hilfe von den Hormonen. Daher ist es dann teurer.

Du lässt während dieses Zyklus mehrere Ultraschalls und Blutabnahmen machen. Den ersten meistens vor Ankunft deiner Periode. Dann vielleicht noch mal zwei bis vier Ultraschalls in den darauffolgenden 12 Tagen, je nach Kinderwunschzentrum. Zahlst dafür noch einmal ca. 1000-1500 Euro, es sei denn, die Kosten erstattet dir deine Krankenversicherung. Die Auswertung der Hormone in den Bluttests sind dabei meist am teuersten und werden dir von dem Labor in Rechnung gestellt.

Ca. 11 Tage nachdem du dir die erste Spritze gesetzt hast, musst du morgens früh in die Klinik. Wirst in Vollnarkose versetzt. Mit einer Nadel durch die Vagina wird eine Eizelle nach der anderen geholt. Insgesamt 19 Eizellen. Super. Für diesen operativen Eingriff und die Narkose zahlst du ca. noch mal 1,500-2,000 Euro.

Am Ende haben nur 15 Eizellen von dir die richtige Größe. Sie sind „reif“ genug, um eingefroren zu werden. Eine gute Zahl!

Ein halbes Jahr später durchläufst du den Prozess noch einmal.

Am Ende hast du 25 Eizellen auf Eis. Du freust dich.

Du passt deine Lebensgestaltung dem Gedanken an, dass du jederzeit mit diesen Eizellen Kinder haben kannst.

Jedes halbe Jahr zahlst du 150-300 Euro, damit das Labor die Eizellen weiterhin mit Stickstoff versorgt.

Wie viele Embryonen wirst du von deinen gefrorenen Eizellen haben?

5 Jahre später hast du einen Partner und ihr wollt ein Kind. Nachdem es auf normalem Weg und mit normaler IVF länger nicht geklappt hat, möchtest du die eingeforenen Eizellen benutzen.

Du rufst das Kinderwunschzentrum an. Dein Mann gibt Sperma ab. Beim Auftauen der Eizellen gehen ca. 8 Eizellen kaputt. Das ist statistisch etwas mehr als zu erwarten ist, aber es gibt diese Technik halt auch erst seit 2012 und manchmal passiert das.

Du hast also noch 17 Eizellen.

Von diesen Eizellen lassen sich 5 Eizellen befruchten. Wie viele Eizellen sich befruchten lassen, hängt stark von ihrer Qualität ab. Es kann aber auch an den Spermien liegen. Nun hast du in jedem Falle 5 Embryonen, also 5 befruchtete Eizellen.

Normalerweise lässt man diese Embryonen ein paar Tage heranreifen, bevor man sie dir in die Gebärmutter einsetzt. Doch an Tag drei entwickeln sich davon 3 Embryonen nicht mehr weiter. Das ist recht normal. Nicht alle „schaffen“ es.

Dann hast du also noch 2 Embryonen. 2 Embryonen mit deinen Eizellen und den Spermien deines Partners. Die Embryonen werden beide transferiert. Doch keines nistet sich ein. Die Einnistungsrate liegt leider in der Natur nur 30% beim Menschen.

Du bist nicht schwanger.

Nicht schwanger. Keine Eizellen mehr übrig. War das Social Freezing umsonst?

Was sind deine Gedanken an diesem Punkt?

Denn das ist das WORST CASE Scenario. Darauf solltest du vorbereitet sein. Denn das kann durchaus passieren. Es IST bereits passiert, vor allem bei Frauen die erst Ende 30 ihre Eizellen eingefroren haben. Es gibt viele Punkte, an denen Eizellen kaputt gehen können. Aber es ist eben auch das Schlimmste, was passieren könnte. Nicht die Norm. Aber genau deswegen eignet es sich perfekt als Gedankenexperiment.

Warum Gedankenexperiment? Wenn dieses Worst Case Szenario für dich total unerträglich ist, dieser Gedanke wirklich so schlimm ist – dann überlege dir zwei Mal, ob du nicht vielleicht einen anderen Weg wählen möchtest. Oder zusätzliche Wege. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Jetzt schon schwanger werden. Embryonen statt Eizellen einfrieren.

Solltest du Social Freezing nun machen, oder nicht?!

Was ich dir mit dem Gedankenexperiment zeigen wollte: Überleg es dir einfach sehr, sehr gut. Und sei auf das Worst Case Szenario vorbereitet. Worst Case Szenarios treten selten auf. Aber sie helfen dabei, ein realistisches Bild zu bekommen. Denn eines ist gewiss: Eizellen einfrieren ist keine Garantie für ein Kind.

Social Freezing KANN eine gute Absicherung sein. Wie gut diese Absicherung ist, das hängt von deinem Alter ab, der Qualität der Eizellen, davon wie viele Eizellen du einfrierst, etc. etc. Daher ist meine Message in diesem Artikel an dich: Lass dich richtig gut beraten. Denn nur so kannst du einschätzen, ob es sich lohnen kann und du am Ende nicht enttäuscht wirst.

Neutrale Informationen und Erfahrungsberichte von Frauen mit Social Freezing in Deutschland

In meiner privaten Facebook-Gruppe kannst du dich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Sie heißt „Social Freezing, Eizellen einfrieren, Fragen + Antworten“ und das ist der Link facebook.com/groups/social.freezing.eizellen.einfrieren. Hier kannst du deine Fragen stellen. Hier gibt es Insider-Tipps. Aufmunterung. Gemeinsame Unterstützung. Und falls du dich für das Social freezing entscheidest, kannst du andere Frauen finden, die auch gerade einen Zyklus machen.

Ansonsten kannst du dich auch gern für eine Beratung-Session (50 Min) mit mir melden. Ich arbeite mit keinen Kinderwunschzentren zusammen und kann dich neutral beraten. Auf deine Lebenssituation zugeschnitten. Überlegen, ob Eizellen einfrieren für dich sinnvoll sein kann. I’m here to help.

Quellen und weitere Artikel zum Social Freezing


Baldwin, Kylie. 2019. Egg Freezing, Fertility and Reproductive Choice: Negotiating Responsibility, Hope and Modern Motherhood. Emerald Publishing Limited. https://books.emeraldinsight.com/page/detail/Egg-Freezing-Fertility-and-Reproductive-ChoiceEgg-Freezing,-Fertility-and-Reproductive-Choice/?k=9781787564848. Studie über die Erfahrungen von Frauen in der UK und den USA, die ihre Eizellen eingefroren haben. SEHR zu empfehlen für alle, die Englisch lesen können. 

Inhorn, M.C., Birenbaum-Carmeli, D., Westphal, L.M. et al. Ten pathways to elective egg freezing: a binational analysis. J Assist Reprod Genet 35, 2003–2011 (2018). https://doi.org/10.1007/s10815-018-1277-3. Eine tolle Studie von meiner Kollegin Marcia Inhorn in Yale. Es geht darum, warum nicht Karrieregründe, sondern ein fehlender Partner der Hauptgrund ist, warum viele Frauen in den USA und Israel Social Freezing machen.

Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. August 2018. RCOG suggests caution over social egg freezing. https://www.rcog.org.uk/en/news/rcog-suggests-caution-over-social-egg-freezing/ Das renommierte RCOG schrieb zu den Vor- und Nachteilen von Social Freezing in 2018: „Untersuchungen haben gezeigt, dass junge Menschen die natürlichen Grenzen der weiblichen Fruchtbarkeit nicht kennen. Und sie die Erfolgsraten assistierter Reproduktionstechnologien erheblich überschätzen. Darüber hinaus heben sie hervor, dass von den 1.173 Zyklen, in denen 2016 Eier eingefroren wurden, nur 32% der Frauen, die ihre Eier einfrieren, 35 Jahre oder jünger waren. Dies ist trotz der Tatsache, dass der höchste Vorhersagefaktor für ein erfolgreiches Einfrieren von Eiern das Alter unter 36 Jahren ist. Aufgrund der geringeren Erfolgsraten pro Ei mit zunehmendem Alter würden Frauen in den späten Dreißigern ungefähr 30 Eier benötigen, um gute Chancen auf eine Schwangerschaft zu haben. Diese Frauen würden daher durchschnittlich drei Zyklen der Stimulation der Eierstöcke benötigen, um genügend Eier zu produzieren.“

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