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Warum die Eizellspende in Deutschland verboten ist — und welche Folgen das Verbot für Paare, Kinder und Ärzte hat

  • 8 min read

Von Wissenschaftlerin Dr. Yvonne Frankfurth, Cambridge / ReproSoc.
-> Persönliche Informationsgespräche zur Eizellspende im Ausland.

Jetzt auch bei Instagram als @eizellspenden.expertin

Die Eizellspende ist in Deutschland verboten. Trotzdem reisen geschätzt 6,000 Deutsche pro Jahr ins Ausland, um dort mittels gespendeten Eizellen ein Kind zu bekommen. Warum ist die Eizellspende verboten? Welche Folgen hat das Verbot? Diesen Fragen gehe ich in diesem Artikel auf den Grund.

Alle Erkenntnisse in diesem Artikel stammen unter anderem von meiner soziologischen Studie zu den Folgen des deutschen Eizellspendenverbots. Diese habe ich als Teil meiner Dissertation in Cambridge durchgeführt. Dazu habe ich 2016-2021 über hundert Interviews/Gespräche mit deutschen Frauen bzw. Familien vor und nach Eizellspende sowie mit Experten aus den Bereichen Medizin, Recht, Politik, Ethik und Psychologie im In- und Ausland geführt.

Was ist eine Eizellspende?

Was ist eine Eizellspende? Oft wird sie mit der Leihmutterschaft verwechselt. Bei einer Eizellspende kann eine Frau mit gespendeten Eizellen einer anderen Frau schwanger werden und ein Kind zur Welt bringen. Wer braucht gespendete Eizellen? Zum Beispiel Frauen, die zum Beispiel Anfang 30 in die frühzeitigen Wechseljahre kommen. Frauen, die mit dem Turner Syndrom und ohne Eizellen geboren wurden. Oder Frauen, bei denen eine schlechte Eizellqualität zu mehreren Fehlgeburten führt, meistens aufgrund des Alters. Die Zahl der Frauen, die ohne Eizellspende kein Kind bekommen können, steigt stetig.


Die Eizellspende ist also ähnlich wie eine Samenspende, nur dass nicht Samen, sondern Eizellen gespendet werden. Die Samenspende ist im Übrigen erlaubt. Für die Eizellspende werden einer Spenderin Eizellen entnommen; diese werden dann in einer Petrischale mit den Samen des Lebenspartners der Wunschmama befruchtet. Der Wunschmama wird die befruchtete Eizelle dann transferiert; es besteht eine ca. 40-50% Wahrscheinlichkeit dass sich diese einnistet und sich eine Schwangerschaft einstellt. Nach der Geburt sind die Frau, die schwanger war und das Kind zur Welt gebracht hat und der Mann, der die Samen gestellt hat, auch rechtlich gesehen die Eltern. Die Spenderin hat zwar eine Zelle gespendet und hat somit eine genetische Verbindung, hat aber weder elterliche Verpflichtungen noch elterliche Rechte.

Warum ist die Eizellspende in Deutschland verboten?

In meiner eigenen Forschung zum deutschen Eizellspendenverbot bin ich zum Schluss gekommen, dass das Verbot aus verschiedenen Gründen zustande gekommen ist.

In den 1980iger Jahren, als man das Embryonenschutzgesetz diskutiert hat, galt ja selbst die normale künstliche Befruchtung (IVF) als problematisch und wurde mit Argwöhn betrachtet. Mittlerweile gibt es im Schnitt über 100,000 Behandlungen mit künstlicher Befruchtung pro Jahr in Deutschland. Die wenigsten Menschen erinnern sich an die Debatten von damals. Damals wurde selbst eine einfache künstliche Befruchtung (IVF) von den Medien oft als „unnatürliches Hexenwerk“ dargestellt. Man fürchtete, dass sie die Gesellschaft in einen moral-ethischen Abgrund führen würde.

Damals hat es auch eine Rolle gespielt, dass die Technologie der Eizellspende so neu war (1984), und es keine Studien dazu gab. Man hat angenommen, dass die Eizellspende zu einer „gespaltenen Mutterschaft“ führen und dem Kindeswohl abträglich wäre. Viele Studien aus dem Ausland belegen mittlerweile, dass sich die Sorge um das Kindeswohl nicht bewahrheitet hat. So zum Beispiel meine Kollegin, die Familienforscherin Susan Golombok, die mehrere Studien über Familien nach Samenzell-, Eizell- und Embryonenspende veröffentlicht (2019) hat.

Bei der Bundestagsanhörung 2021 haben sich die Stimmen in Deutschland, die sich gegen die Eizellspende ausgesprochen haben, aber hauptsächlich um den Punkt Eizellspenderin gedreht. Hier wurde mehrmals angeführt, dass eine Legalisierung dazu führen könnte, dass Spenderinnen gesundheitlichen Risiken und einer möglichen Ausbeutung ausgesetzt würden. Ferner äußerten manche Experten die Sorge, dass eine Eizellspende kommerzialisiert werden könnte. Doch auch hier wird sich selten auf aktuelle Studien berufen. Auch Medien berufen sich oft auf anekdotische Evidenz oder Extrembeispiele aus Ländern wie der Ukraine oder den USA angeführt.

Die Art und Weise, wie die Eizellspende in Ländern wie Großbritannien, Finnland, Dänemark, Österreich oder auch Spanien gehandhabt wird, findet keine Erwähnung. In diesen Ländern ist die Spende altruistisch und es darf nur eine Aufwandsentschädigung erhoben werden; hier werden gesundheitliche Risiken ernst genommen und mild stimuliert. In den meisten dieser Länder müssen außerdem sowohl Spenderin als auch Empfängerin ein psychologisches und informatives Aufklärungsgespräch durchführen. Wir können also sehen, dass man den Befürchtungen der Ausbeutung der Spenderin und der Kommerzialisierung mit einer soliden Regelung der Eizellspende entgegengewirken kann.

Welche Folgen hat das Eizellspendenverbot?


Ich befasse mich wissenschaftlich seit 2016 mit dem deutschen Eizellspendenverbot. Dabei habe ich die Folgen des Verbots für folgende Personengruppen untersucht:

1. Ich habe Folgen des Verbots für betroffene Frauen bzw. Paare untersucht, die ohne gespendete Eizellen kein Kind bekommen können. Also Frauen, die zum Beispiel Anfang 30 in die frühzeitigen Wechseljahre kamen, Frauen, die mit dem Turner Syndrom und ohne Eizellen geboren wurden, oder Frauen, bei denen eine schlechte Eizellqualität zu mehreren Fehlgeburten geführt hatte. Aufgrund des Verbots gibt es für diese Frauen einen großen Mangel an verlässlichen Informationen zur Eizellspende: Was sind die Risiken, was bedeutet das fürs Kind, welche Unterschiede gibt es bei der Spende z.B. in Österreich versus Spanien? Derzeit ist es unheimlich schwer für Wunscheltern gute informierte Entscheidungen treffen, wenn sie eine Eizellspende im Ausland machen.

2. Ferner habe ich beleuchtet, was das Verbot für Kinder bzw. Erwachsene bedeutet, die mithilfe einer Eizellspende gezeugt wurden und heute in Deutschland leben. Wie ist das, wenn die Methode, mit der man gezeugt wurde, im Heimatland als verboten gilt?

3. Schlussendlich habe ich auch festgestellt, dass bei einer Schwangerschaft medizinische Risiken entstehen können, wenn Frauen ihren deutschen Ärzt:innen nichts von der Eizellspende im Ausland erzählen, weil sie Angst haben, den Ärzt:innen könnten strafrechtliche Folgen drohen.

Mehr Informationen zu den konkreten Folgen für diese Personengruppen kann in diesem Artikel gefunden werden.

Wo findet ich unabhängige Informationen zur Eizellspende?

Eizellspende Unabhängige Beratung buchen
Eizellspende im Ausland? Unabhängige Beratung buchen

Im Mai 2022 ist ein ZEIT-Artikel zur Eizellspende mit mir als Expertin erschienen; sehr empfehlenswerte Lektüre, aber leider mit Paywall.

Insgesamt gibt es im Internet kaum neutrale Informationen zur Eizellspende oder zu Kinderwunschbehandlungen im Ausland. Ich kenne mich mit europäischen und amerikanischen Kinderwunschzentren und geltende Regeln in diesen Ländern aus. Daher biete ich neben meiner wissenschaftlichen Arbeit auch vereinzelt kostenlose Webinare und Infoveranstaltungen (z.B. bei den Kinderwunschtagen). Ich biete auch eine begrenzte Zahl an Beratungsgesprächen an. Hier gebe ich gerne meine Erkenntnisse zu den Erfahrungen von Deutschen in Ländern wie Tschechien, Spanien, Dänemark, Österreich etc. weiter. Ich informiere immer ergebnisoffen. Auch erzähle ich gern von aktuellen Studienerkenntnissen bei Themen wie: „Wie fühlt es sich wirklich an nach Eizellspende schwanger zu sein?“, „Wie geht es Familien nach Eizellspende?“, „Sagt man es dem Kind, wenn ja, wann und wie?“, „Welche Zusatzbehandlungen sind wissenschaftlich gesehen nachweislich hilfreich?“. Hier ist eine Übersicht mit kostenlosen und hilfreichen Online-Ressourcen.

Meine wissenschaftliche Studie zur Eizellspende wird bald publiziert, hier kann man dazu auf dem Laufenden bleiben. Ferner habe ich private Support-Gruppen gegründet, bei denen sich Frauen gegenseitig beim Thema Eizellspende unterstützen können (über 1000 Mitglieder).

Eine Legalisierung muss her: Mittlerweile leben über 60,000 Eizellspendenfamilien in Deutschland

Eins ist klar: Die Eizellspende muss politisch neu aufgerollt und diskutiert werden.

Sicherlich gibt es mittlerweile weit über 60,000 Familien in Deutschland, die ihr Kind mittels einer gespendeten Eizelle in Ländern wie Spanien, Österreich oder Dänemark bekommen haben. In Europa wurden im Jahre 2016 insgesamt fast 73,927 Eizellspenden-Zyklen durchgeführt, die Hälfte davon in Spanien. Davon sind mindestens 5,000 bei Deutschen durchgeführt worden. Es wird geschätzt, dass pro Jahr ca. 5,000-6,000 Deutsche für die Eizellspende ins Ausland reisen, Tendenz steigend (Frankfurth 2021, Egg Donation in Germany).

Wie fühlt sich das für Kinder an: Wenn man weiß, im eigenen Land ist die Methode illegal, mit der man gezeugt wurde?

Dr. Yvonne Frankfurth, Leiterin Eizellspenden-Studie, ReproSoc/UNiversity of Cambridge

Die deutschen Eizellspenden-Familien leben in dem Wissen, dass die Methode, mit der sie ihre Kinder bekommen haben, im eigenen Land verboten ist. Was macht das mit diesen Familien und den Kindern, kann man sich fragen, wenn die Eizellspende, mit der man gezeugt wurde, hierzulande verboten ist und sogar im Strafgesetzbuch mit bis zu 3 Jahren Gefängnis geahndet wird?

Hier kehren wir zum Punkt des Kindeswohls zurück: Das Eizellspendenverbot galt dieses zu beschützen, doch man kann sich fragen, ob es nicht das Gegenteil davon erreicht.

Autorin: Wissenschaftlerin Dr. Yvonne Frankfurth, Cambridge / ReproSoc.

-> Wie könnte eine Legalisierung der Eizellspende aussehen? Was sind die Folgen des Verbots für Eizellspendenfamilien in Deutschland?

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